Färben mit Obstschnitt: Apfel, Kirsche und Pflaumenbaum

Wusstest du, dass man mit Obstschnitt färben kann? Also mit Zweigen, die bei den vielen Obstbäumen im jährlichen Schnitt anfallen – meist im Winter, wenn es sonst draußen kaum Färberpflanzen gibt. Manche Bäume werden nach der Ernte sogar nochmal geschnitten. Also viel Potential für den Färbetopf! Denn beim Sommerschnitt gibt es nicht nur Zweige, sondern auch noch Blätter zum Färben. Dabei solltest du aber unbedingt etwas beachten.

Hier geht es um Obstbäume, die zu den Rosengewächsen gehören: zum Beispiel Apfel-, Kirsch-, Pflaumen oder Pfirsichbäume.
Vielleicht hast du ja selbst einen solchen Baum im Garten oder Hinterhof, oder hörst dich mal um, wer von deinen Bekannten dich mit dem Baumschnitt versorgen könnte. Oder findest heraus, wann die städtischen Bäume im Kiez geschnitten werden!

Einiges davon hatte ich schon im Färbetopf. Aber ich hab auch nochmal meine Färbebücher durchsucht. Häufig erwähnt werden da Apfel, Kirsche, Pflaume, aber auch Pfirsich- und Nektarine, mal geht es um die Blätter, mal um die Rinde. Auch Wildfrüchte, wie die Schlehe (heißt auch Schwarzdorn) und Weißdorn gehören in die gleiche Familie der Rosengewächse.
Historisch wurden all diese Pflanzen(-teile) zum Färben verwendet. Leuchtet ein, wilde wie kultivierte Formen dieser fruchttragenden Pflanzen waren den Menschen ja gut vertraut und häufig.

Draußen färben oder bei offenem Fenster

Bevor du jetzt loslegst: Grundsätzlich sollte man beim Färben mit Pflanzen immer auf gute Belüftung achten. Inhaltsstoffe wie ätherische Öle oder Gerbstoffe können sich ungut auf uns auswirken, wenn zuviel davon in der Luft liegt!
Aber bei diesen Pflanzen finde ich es nochmal ganz besonders wichtig.
Denn sie enthalten wie andere Rosengewächse auch Blausäure-Glykoside – vor allem in den Kernen.
Das hast du vielleicht schon mal gehört, über Pfirsichkerne, Kirschkerne, Apfelkerne, Bittermandeln…
Leider ist es schwierig, zuverlässige Informationen darüber zu finden, ob und wieviel davon auch in Blättern oder Zweigen und Rinde steckt. Wenn du dazu Studien oder Literatur kennst, dann freue ich mich über einen Hinweis! Kein Grund zur Panik – aber zur Vorsicht. Also, was heißt das jetzt für dich und deinen Färbetopf?

Was sind Blausäureglykoside?

Blausäureglykoside – wie z.B. Amygdalin in den Pflanzen der Art Prunus – sind so, wie sie in der Pflanze vorkommen, erstmal nicht toxisch. Erst wenn die Zellen zerstört werden, wird Zucker von der Verbindung abgespaltet, und es entsteht die giftige Blausäure. (Die kennst du vielleicht aus Krimiklassikern.)
Und Blausäure ist bei einer Temperatur ab 25°C flüchtig, und verdampft dann.2 Viel frische Luft beim Färben ‘verdünnt’ den Dampf – deshalb habe ich diesen Hinweis hier eingeschoben, bevor es jetzt gleich um die Farben geht.

Ich handhabe es so, bei Pflanzen, von denen bekannt ist, dass sie in den Kernen Blausäureglykoside enthalten: Solange ich nicht das Gegenteil weiß, gehe ich davon aus, dass nicht nur die Samen, sondern auch andere Teile der Pflanzen sie enthalten können. Außerdem: Wenn Pflanzenzellen Blausäureglykoside enthalten, riechen beim Zerstören (Zerreiben, Schneiden oder Erhitzen) nach Marzipan – allerdings können diesen Marzipangeruch der Blausäure nicht alle Menschen wahrnehmen.

Immerhin zu den Blättern vom Pfirsich habe ich Informationen gefunden: Die enthalten ein Blausäureglykosid, das dem aus den Kernen ähnlich ist.1 Zwar enthalten grundsätzlich vor allem die Samen der Rosengewächse Blausäureglykoside, aber auch in ‘Keimblättern, in (jungen) Blättern’ finden sie sich, zum Beispiel bei Eberesche und Traubenkirsche.2

All das erstmal zu wissen, finde ich wichtig, bevor man sich entscheidet, mit diesen Pflanzen zu färben.


Kurz zusammengefasst: Beim Färben mit Laub oder Rinde/Zweigen von Apfel, Kirsche, Pflaume und ihren Verwandten reiße ich das Fenster weit auf, oder färbe möglichst gleich draußen.

Färben mit Apfelbaum, Malus domesticus

Vor allem das Färben mit Apfelrinde habe ich in vielen Büchern gefunden. Und schon 1532 wurde das Färben mit Apfelrinde in einem Färbebuch erwähnt! In dem Fall ging es um Rinde vom Wilden Apfelbaum, für Gelbtöne.
Das habe ich dieses Jahr endlich mal probiert – nicht mit dem Wilden Apfel sondern dem ‘gezähmten’, und war begeistert vom Gelb. Das Foto wird der Intensität der Farbe kaum gerecht.

Stoffe und Wolle gefärbt mit Apfelzweigen Apfelrinde
meine erste Färbung mit Apfelzweigen

Statt nur Rinde habe ich gleich die dünnen Zweige vom Apfelschnitt benutzt, nur bei dickeren Ästen habe ich die Rinde abgeschält. Wenn man zum Färben nur die innere Rinde benutzt, soll das Ergebnis ein noch reineres Gelb werden.

Was die Giftigkeit betrifft, steht in Prinz’ ‘Färberpflanzen’ der Hinweis, dass Apfelkerne je nach Sorte wenig bis stark giftig seien, zu den anderen Pflanzenteilen jedoch findet sich nichts. Mit den Blättern habe ich noch nicht gefärbt, aber zumindest beim Häckseln und Erhitzen der Zweige roch es auch nicht nach Marzipan oder Mandel.

Bei weiteren Experimenten mit Apfelzweigen und -rinde habe ich unterschiedlich intensive Ergebnisse bekommen – die Dauer vom Farbauszug macht hier einen Unterschied, und bei weiteren Tests möchte ich mal noch genauer immer den ph-Wert messen. Sehr spannend!

Baumwolle, Seide und Wolle mit Apfelrinde und Apfelzweigen
verschiedene Gelbtöne mit Apfelzweigen gefärbt

Prunus-Familie: Pflaume, Kirsche, Pfirsich, Schlehe

In meinem Schrebergarten stehen sie alle drei: Pflaumen-, Kirsch- und Pfirsichbaum. Mit denen habe ich also schon oft gefärbt.

Mit der wilden Verwandten Schlehe habe ich dagegen noch nicht färben können – da fehlt mir eine gute Quelle. Die Schlehen, an denen ich häufig vorbeispaziere, stehen in geschützten Gebieten. Da pflücke ich natürlich keine Zweige, und beschnitten werden die auch nicht. Im ‘Handbuch der Naturfarbstoffe’ steht, die Schlehenrinde kann rotbraun färben. Wenn sich die Gelegenheit mal bietet, werde ich das sicher ausprobieren.

Ich finde, die getrocknete Blätter von Pflaume und Kirsche riechen leicht nach Marzipan – hast du das vielleicht auch schon mal bemerkt?
Mit den Zweigen dieser Bäume habe ich verschiedene, sehr schöne Töne gefärbt, von Lachsrosa zu einem weichen Orange bis hin zu einem satten Braunrot.



Wenn ich mit den Blättern färbe, sind das meist die aus dem Schnitt im Spätsommer, und da gab es leuchtendes Pfirsichrosa. Vor kurzem hatte ich zum ersten Mal junge Kirschblätter im Färbetopf, die im Mai gepflückt wurden. Und da gab es eine Überraschung: Diesmal wurde es ein zarter Gelbton! Wie bei vielen Pflanzen gilt natürlich auch für Färberbäume, der Erntezeitpunkt kann eine große Rolle spielen für das Ergebnis. Es gibt wirklich immer noch etwas zu lernen.

Baumwolle, Seide und Wolle gefärbt mit Kirschblättern aus dem Mai

Färbebücher zum Nachschlagen


Wenn du selbst nachlesen möchtest, meine Quellen waren Schweppes ‘Handbuch der Naturfarbstoffe’, Eberhard Prinz’ ‘Färberpflanzen’* und Jenny Deans ‘Wild Color’*. Die habe ich alle hier schon mal empfohlen in meinem Artikel über Bücher zum Färben.

1Aus Harald Nielsen ‘Giftpflanzen. 148 europäische Arten, Bestimmung – Wirkung – Geschichte’ aus der Reihe Kosmos Feldführer – das gibt es nur noch antiquarisch. Wenn du ein aktuelleres Buch zu dem Thema kennst, in dem auch dieser Aspekt der Rosengewächse behandelt wird, freue ich mich über einen Hinweis dazu!

Den Denkanstoß zum Thema Blausäure-Verbindungen verdanke ich meiner Ausbildung zur Pflanzenpädagogin bei Wildwärts. Da ging es um das Thema im Zusammenhang mit Hagebuttensamen, und seitdem versuche ich, mehr über das Thema in möglichen Färberpflanzen zu lernen. Das Skript dieses Moduls ist auch meine Quelle für 2.

Zu guter Letzt: Alle Angaben sind nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert, doch inhaltliche Fehler können sich einschleichen. Achte auf den richtigen Umgang mit Färberpflanzen, und vergiss nie, dass nie gilt ‘natürlich=automatisch ungiftig’! Ich übernehme keine Haftung für etwaige negative Folgen.

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