Stoffe und Wolle gefärbt mit Staudenknöterich

Färben mit Staudenknöterich

Der Japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica) ist eine ursprünglich in Ostasien heimische Pflanze. Vielleicht lässt der Name dich schon nervös aufmerken? Der Staudenknöterich ist für viele wohl DIE Art, wenn sie an ‘invasive Neophyten’ in der Pflanzenwelt denken. Sie wurde im 19. Jahrhundert gezielt nach Europa eingeführt, als Zier- und schnellwachsende Nutzpflanze, aus heutiger Perspektive keine so gute Idee…

Inzwischen ist der Staudenknöterich in Deutschland etabliert. Man findet ihn vielerorts, oft im Uferbereich, und nebenbei profitiert er wahrscheinlich auch von zunehmenden Temperaturen im Klimachaos – irgendwie müssen wir uns also wohl mit ihm arrangieren. Die sommergrüne Pflanze überdauert unsere Winter und bildet oft großflächige Bestände. Sie wächst sehr schnell und wird unter günstigen Bedingungen sogar 3 bis 4 Meter hoch. Die Stängel verholzen mit der Zeit, sind grün und rot überlaufen, die Blätter sind leuchtend grün und fühlen sich leicht ledrig an.

Zeichnung von A. Barnard, 1880 aus Curtis’s Botanical Magazine, vol. 106


Die Art ist mit dem Färberknöterich verwandt (und wie der blau macht, findest du hier und hier). Blau färben kann der Staudenknöterich nicht, und auch sonst kann man ihn wohl kaum mit der viel kleineren einjährigen Pflanze verwechseln… Den Staudenknöterich solltest du auf keinen Fall absichtlich im Färbergarten anpflanzen, denn er breitet sich stark aus – da sollten wir nicht noch weiter nachhelfen, oder?

In Deutschland steht er auf der “Schwarzen Managementliste” (wie auch eine Kreuzung der Art, Bastard-Staudenknöterich, Fallopia bohemica) – das heißt, “die Gefährdung der Biodiversität ist belegt.” Die Bestände der Pflanzen gefährden heimische Pflanzen und Insekten, in dem sie Vegetationsstrukturen verändern (sich so breit machen, dass ganze Landschaftsformen verändern, würde ich das als Laiin übersetzen).
Es ist also wichtig, beim Staudenknöterich genau hinzuschauen. Gleichzeitig kann man ihn auch vielfältig nutzen – vielleicht ließe sich das mit einem Einhegen der Bestände verbinden?

Aber, bevor es um die kreative Nutzung dieser Pflanze geht, noch ein paar wichtige Infos.

Verantwortungsvoll Sammeln: Wie sich der Staudenknöterich vermehrt

Der Japanische Staudenknöterich bildet zwar auch Samen – die Art ist zweihäusig, das heißt es gibt sowohl männliche wie auch weibliche Pflanzen – vor allem verbreitet er sich aber über Rhizome unterirdisch. So entstehen oft große Verbände, in denen alle Pflanzen tatsächlich Klone sind. Über lange Strecken stehen so zum Beispiel nur männliche Pflanzen nebeneinander, und trotzdem verbreitet sich der Bestand weiter. Über den Winter werfen sie ihr Laub ab, treiben aber im nächsten Frühjahr wieder frisch und munter aus.

Und worauf solltest du nun achten, wenn du für den Färbetopf sammelst? Du solltest auf keinen Fall Teile der Pflanzen weiter ‘verstreuen’, sondern ordentlich alles aufsammeln, was du entnimmst. Denn nicht nur Stücke der Rhizome können wieder neu austreiben und damit neue Standorte besiedeln, auch die Stängel sind dazu in der Lage – mitunter heißt es, auch die Blätter! (Vielleicht hast du diesen Eifer, neue Wurzeln zu bilden, beim einjährigen Färberknöterich schon ausgenutzt? Da lässt sich das Indigo-Beet schnell aufstocken durch neu bewurzelte Stecklinge.)
Dem Staudenknöterich verhilft diese Eigenschaft dort, wo er nicht ursprünglich heimisch war, zu einem großen Vorteil – er schlägt praktisch überall Wurzeln, und wächst dann auch noch schnell und hoch.

Durch Unwissen kann daher das Bekämpfen der Pflanzen schnell zur weiteren Verbreitung beitragen: Wenn Erdreich bewegt wird, in dem Rhizomstücke stecken, Stängelabschnitte in Flüsse oder Bäche gelangen, oder die Pflanze als Grünschnitt ausgebracht wird – oder wenn mit schweren Geräten und Schuhsohlen das Rhizom bequem durch die Gegend transportiert wird. Wenn die Pflanze entfernt wird (und sie nicht im Färbetopf landet) gehört sie daher nicht auf den Kompost, sondern in den Restmüll.

Also, Stängel und Blätter gehören in dein Sammelbehältnis, und sonst nirgends hin. Ich habe zum Färben Blätter und die dünneren Zweige verwendet. Weiter unten gibt es noch weitere Nutzungsvorschläge, wenn du noch mehr Anregungen suchst!

Färben mit dem Staudenknöterich

Auf die Idee, mit dem Staudenknöterich zu färben, hat mich dieser Instagram-Post gebracht, in dem es um Möglichkeiten geht, die Pflanze zu nutzen.

Daraufhin bin ich also losgezogen, und habe in einem Park auf dem Weg in mein Atelier eine große Taschen vom Färberknöterich geerntet.
Angekommen, habe ich gleich mit den frischen Blättern (und dünnen Stängeln) ein Färbebad angesetzt. Statt des erwarteten leuchtenden Gelb waren die ersten Töne sehr blass – in dieser Situation messe ich meistens erstmal den pH-Wert.
Und wenig überraschend (da die Pflanze reich an Oxalsäure ist), lag der pH-Wert im sauren Bereich. Viele Farbstoffe können so nicht auf Fasern aufziehen.

Ich habe als nächstes also eine sehr kleine Menge Waschsoda dazugegeben, um das auszugleichen. Stattdessen könntest du sicher auch Pottasche oder Calciumcarbonat probieren, wenn du das da hast. Und falls deine Ergebnisse abweichen – neben dem pH-Wert kann natürlich wie immer auch das Wasser eine große Rolle spielen.

Die ersten kleinen Proben, die ich mit korrigiertem pH-Wert gefärbt habe, strahlten in einem leuchtenden Gelb.
Die nächsten Versuche ergaben dann schöne Rosttöne.

erste Färbung, rechts aus dem Sud mit angehobenen pH-Wert, Proben noch nass


Der Staudenknöterich war auch sehr ergiebig, ich habe das Material ein weiteres Mal aufgegossen, und auch die zweite Farbextraktion war noch sehr satt. Wir haben das gleich im nächsten Tagesworkshop getestet, und auf den verschiedenen Stoffen und Garnen der Teilnehmer:innen haben uns die Töne begeistert. Und hinterher habe ich selbst noch einen Zug mit dem Farbbad gefärbt.

Aus Neugier habe ich später noch kleine Farbbäder mit nur getrockneten Blättern und nur zerkleinerten jungen Stängeln angesetzt. Hier war die Stängel-Färbung deutlich rötlicher. Mit einem Teil vom Farbbad habe ich auch noch eine Farbpaste hergestellt, um direkt auf Stoff zu malen – und einen warmen Rostton bekommen.

Und da der Sud selbst dann immer noch nicht erschöpft war, habe ich dann noch Lackpigmente daraus gemacht, um alle Möglichkeiten auszutesten.

Weitere Nutzung

Staudenknöterich ist unbestreitbar eine problematische Pflanze außerhalb seines ursprünglichen Verbreitungsgebiets – und leider haben wir (bisher?) keine einfache Strategie gefunden, die weitere Verbreitung zuverlässig einzudämmen.

Im Gegenteil, erst vor Kurzem habe ich auf einem Spaziergang entdeckt, dass dort durch achtlose Arbeiten mit schwerem Gerät der Staudenknöterich enorm weiter verteilt wurde. Bei Arbeiten in einer Kiefernpflanzung wurde großflächig der Boden aufgewühlt, alle bisherigen Pflanzen entfernt, und es sprießt nun wie auf einer Plantage überall der Staudenknöterich, der vorher nur an einer kleinen Stelle am Wegrand zu finden war. Da musste ich erst einmal schlucken!
Obwohl ich da bereits an diesem Artikel schrieb, in dem ich die Pflanze nicht nur in einem negativen Licht zeigen wollte.
Denn abseits des Färbens gibt es noch vielfältige Möglichkeiten, den Staudenknöterich zu nutzen.

Zunächst Mal kulinarisch: Die jungen Treibe können als Gemüse gedünstet werden, fermentiert, oder süß als Rhabarerersatz in Desserts landen. Am besten aber nicht täglich und in großen Mengen wegen der enthaltenen Oxalsäure.

Aus den jungen Stängeln lassen sich außerdem Kordeln herstellen, verholzte Stängel eignen sich wohl stattdessen zur Papierherstellung. Kordeln habe ich noch nicht daraus gemacht, aber ein paar der Stängel als Zeichenfedern spitz zugeschnitten und trocknen lassen – um dann mit Tinte aus den Blättern zu zeichnen. Das klappt gut! Dickere, hohle Stängel eignen sich, um sie mit Farbe zu füllen und so selbst Buntstifte zu machen (gesehen habe ich das im Buch ‘The organic artist for kids’* – aber bisher noch nicht getestet).

Staudenknöterich im Garten

Das ist jetzt wahrscheinlich schon klar, aber nochmal: Nicht als schnell- und hochwachsenden Sichtschutz pflanzen! Das Bundesamt für Naturschutz empfiehlt: “Auf diese Art ist zu verzichten. Sie wurde schon vor Jahren von vielen Staudengärtnern aus dem Sortiment genommen. Sie darf nicht in der freien Landschaft gepflanzt werden, besonders nicht in der Nähe von natürlichen Wasserläufen.”

Wenn die Pflanze vielleicht schon im Garten ist, oder in der Nähe – ganz anders kann man sie gärtnerisch nutzen: als Pflanzenjauche. Das habe ich noch nicht probiert, aber da sie bei uns vom Nachbargarten rüberwächst, werde ich das wohl mal testen.

Und auch gut zu wissen: Der Staudenknöterich kann zur Bodenentgiftung genutzt werden, da er Schadstoffe aufnimmt. Wenn du also Staudenknöterich zum Verzehr sammelst, solltest du also besonders auf den Standort achten.

Und zum Schluss: Verschiedene Strategien zur Bekämpfung der Pflanze sind hier aufgearbeitet (Stand Juli 2023) – die mechanische Entfernung ist sehr aufwändig und kann leicht ungewollt zur Verbreitung beitragen, und ich bezweifle sehr, dass breiter Einsatz von Herbiziden eine ganzheitliche, dauerhafte Lösung ist. Also vielleicht doch lieber aufessen, Farbe und Papier draus machen…

ein kurzer Test: ganz andere Farbe, aber auch für Eco Print sind die Blätter vielversprechend

Kommentare

2 Antworten zu „Färben mit Staudenknöterich“

  1. Was für wunderschöne Ergebnisse! Die Rosttöne sind wirklich toll und ich bin ganz begeistert, dass man so schöne Farben mit dem Staudenknöterich erzeugen kann. Bisher haben bei mir nur die jungen Triebe als Spargelersatz in der Pfanne Verwendung gefunden, das wird sich nun wohl ändern. 🙂

    1. Avatar von Elke Fiebig
      Elke Fiebig

      Danke Stefanie!
      …und das Gute ist ja, dass man soviel vom Staudenknöterich finden kann, dass es im Zweifel sogar für Pfanne und Färbetopf reicht!

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